Dörfer und Siedlungen in Oderaue

Blick auf Altreetz
In Altreetz
Der Dorfrundling mit der Kirche von Altmädewitz
Altwustrow
Blick auf Neuküstrinchen
Adlig Reetz - Teil von Neureetz
In Neurüdnitz
Blick vom Oderdeich auf Zollbrücke in Zäckericker Loose

Mädewitz gehörte ursprünglich zur Vogtei Wriezen. Der Gemeindeteil besteht heute aus den Ortsteilen Alt- und Neumädewitz und Neukietz. Hier leben ca. 220 Einwohner. Die Kirche in Altmädewitz wurde 1897 auf dem Dorfplatz errichtet. Heute kümmert sich ein Förderverein um ihre Erhaltung. Das Grundstück, auf dem die Kirche errichtet wurde, ist Gemeindeeigentum. Bänke laden hier zum Verweilen ein. Umrundet wird das Kirchengelände von Wohnhäusern, die zum Teil schon im 18. Jahrhundert erbaut wurden. Heute leben in einigen Häusern bereits Familien in dritter Generation. Für die Kleinen in Altmädewitz wurde der Spielplatz neu gestaltet und erfreut sich einmal im Jahr – wenn das Kinderfest gefeiert wird - großer Beliebtheit.

Neumädewitz, wurde als Kolonistendorf „auf der Feldmark von Medewitz“ um 1755 erbaut und damals mit 38 Familien besetzt. Hier reihen sich die Wohnhäuser in Form eines Dreiecks direkt an der Landestraße L 28 auf. Auch das jetzige „Bürgerhaus“, welches bis zur Wende Gemeindebüro war, liegt direkt an der Straße. Die „Reetzer Sänger“, die Senioren der Gemeinde und Familien, die feiern wollen, nutzen diese Örtlichkeit. Jedes Jahr im Sommer findet das „Dorffest“ auf dem Grundstück rund ums Haus statt. Von 1892 bis 1982 fuhr die Bahn von Wriezen nach Rüdnitz über Altmädewitz. Das Bahnhofsgebäude wurde zwischenzeitlich verkauft und als Wohngebäude umgenutzt. Die Bahnstrecke wurde 2000 rückgebaut, denn Züge fuhren keine mehr. Seit 2005 nutzt diese Strecke nun der Fahrradtourist als Radweg von Wriezen über Bienenwerder an die Oder.

Neukietz schließt sich als dritte Siedlung von Mädewitz an – ein hübsches, kleines Straßendorf. In Mädewitz wohnen und arbeiten viele kleine private Handwerksbetriebe von der Holzbearbeitung über das Bauhandwerk bis hin zur Kosmetik und Fußpflege - und natürlich die großen und kleineren landwirtschaftlichen Unternehmen des Ortes.

Neuküstrinchen ist ein typisches Kolonistendorf, das schon 1758, also wenige Jahre nach der Errichtung des „Neuen Oder-Canals“ gegründet wurde. Besonders ist es für seine große Backsteinkirche bekannt, die 1880 für die Reformierten und Lutherischen Gemeinden der umliegenden Dörfer gebaut worden war und nun, schön saniert, eine wichtige Landmarke im Oderbruch bildet. Auch der großzügige und vielfach bepflanzte Dorfanger, umgeben von oftmals leicht erhöhten Kolonistenhäusern, zeichnet ein ausgesprochen freundliches Ortsbild.

Neureetz besteht eigentlich aus zwei Dörfern, denn ausgehend vom Altdorf Reetz (heute Altreetz) wurde hier ein Straßendorf unter preußisch-königlicher und ein weiteres unter adliger Leitung aufgesiedelt. Die beiden erst nach dem zweiten Weltkrieg zusammengeschlossenen Orte unterscheiden sich deutlich. Während das in Richtung Altreetz verlaufende „Königlich Reetz“ von einer überwiegend einseitigen Häuserzeile gebildet wird, sodass sich gegenüberliegend die offenen Gärten und Acker anschließend, ist Adlig Reetz zweiseitig bebaut und wegen seiner zur Ortsmitteweisenden und mit Buchsbaum gestalteten Vorgärten bekannt. 2015 begeht der Ort sein 260-jähriges Bestehen – zusammen mit dem alljährlich hier stattfindenden Ost-Fahrzeugtreffen Neureetz (OstFahNe). Zu Neureetz gehört Croustillier, eine Vorwerksiedlung, die einst von Altranft aus errichtet worden war.

Neurüdnitz, ebenfalls ein Kolonistendorf, wird von 220 Einwohnern gebildet. Neun sehr verschiedene Gewerbebetriebe (Bau, Verkauf von Musikinstrumenten, Brennerei, Draisinenbahn, KFZ-Handel, eine Versicherungsagentur und vier Landwirtschaftsbetriebe) beleben den Ort. Unser Kultur- und Heimatverein wartet auf eine gewisse Wiederbelebeng, dagegen ist die Jugendfeuerwehr sehr aktiv – und die einzige in Oderaue. Kinder finden einen Spielplatz am einzigen 24-Wohneinheiten-Block des Ortes. Als Sehenswürdigkeiten seien den Besuchern die Heimatstube im Bürgerhaus, das Kriegerdenkmal zur Ehren der Gefallenen des ersten Weltkrieges, die Gedenkstätte auf dem Friedhof zu Ehren der Gefallenen des zweiten Weltkrieges und die Friedenseiche empfohlen. Ein Radweg führt von hier bis zur Oderbrücke, wo in der Saison der Draisinenverkehr bis zur Brückenmitte stattfindet. Gäste können in der Pension zur Alten Schule logieren. Übrigens: unsere denkmalgeschützte Friedhofsmauer wird z.Zt. instandgesetzt. Zu Neurüdnitz gehören die interessanten Siedlungen Spitz, Bienenwerder und Bahnhof.

Wustrow: Der Ortsteil der Gemeinde Oderaue besteht aus den nur mehrere hundert Meter auseinander liegenden Dörfern Neuwustrow, Altwustrow und Friedrichshof. Insgesamt leben hier 150 Menschen. Über den einzigen noch vorhandenen landwirtschaftlichen Betrieb in Altwustrow kommen noch 400 Rinder der Familie Fehlberg, davon 200, auch mehrfach preisgekrönte, Milchkühe dazu. In Neuwustrow bietet Judy Guilford in ihrer Landpension Oderbruch Übernachtungsmöglichkeiten für sieben Personen in vier Zimmern an. Der Reit- und Fahrverein Wustrow veranstaltet jedes Jahr zu Pfingsten ein Reitturnier. Im gleichen Neudorf hat der Elektromeister Jürgen Reuter seinen Handwerksbetrieb. Und das älteste (Fachwerk-)Haus des Ortes in der Ratsstraße 4 dokumentiert in seinen Proportionen die Erstbebauung des 1755 als königliche Gründung mit Neusiedlern besetzten zweitältesten Kolonistendorfs im Oderbruch. 18 Familien fanden hier ihre neue Heimat, fünf Bauern mit je 90 Morgen Land und zwölf „Zehnmorgener“ sowie der Schulmeister, der ebenfalls zehn Morgen erhielt. Nicht alle Bauern mit großen Flächen vermochten glücklich zu wirtschaften. Einige der Höfe gingen mit der Zeit an den Herrn des nach 1765 erbauten und nördlich gelegenen Guts- und Wirtschaftshofs Friedrichshof. Benannt wurde es nach dem Sohn des ersten Gutsbesitzers, dem um die weitere Trockenlegung verdienten Deichinspektor Johann Friedrich Christiani. Die Ruine des Herrenhauses gibt noch einen Eindruck von einstiger Pracht. Daneben betreibt Martin Sommer seine auch Zweiräder betreuende Kfz.-Werkstatt. Auch im insgesamt zum Denkmalbereich erklärten Altwustrow, mit mehreren Einzeldenkmalen, und nur fünfzig Einwohnern ist Übernachten möglich – bei Peter Schultze sind sechs Doppel- und zwei Einzelzimmer, aber auch das Haus insgesamt buchbar. Als Meisterbetrieb screen-artline bietet er auch Gebrauchsgrafik, Webdesign und Druck an: Alles in der Angerstr. 4, dem 1765 erbauten ältesten der ehemaligen Hofgebäude des Dorfes, das als Einziges noch giebelständig zum Anger steht. Elkes Hofladen in der Angerstr. 19 bietet ein reiches Sortiment selbstgemachter Marmeladen, zahlreiche Gemüse aus eigenem Anbau und manche andere dörfliche Leckerei. Daneben, Angerstr. 18, hat Friedhelm Melz, Staatl. Gepr. Hufschmied, der die meisten Pferde im Umkreis von 20 km beschlägt, seine Werkstatt. Dominierender Bau des Ortes ist die 1789 von den 13 Bauernfamilien, gegen den Willen der Kirchen- und Staatsobrigkeit, auf eigene Kosten erbaute Fachwerkkirche, die 1830 auch einen klassizistischen Turm erhielt. Die Einrichtung im Stil des Bauernbarock ist seit der Bauzeit vollständig erhalten; ihre auf Papier gemalte Decke ist eine nur selten anzutreffende Besonderheit. Die Ironie der Geschichte führte dazu, dass ausgerechnet die kirchenferne Partei- und Staatsführung der 70-er Jahre den ursprünglichen Privat- in Kirchenbesitz umwandelte.

Zäckericker Loose ist eine Siedlung, die durch eine schrittweise Besiedlung im neunzehnten Jahrhundert hervorgegangen ist, vor allem aus dem Stammdorf Zäckerick (heute Siekeriki in Polen). Wer hier unterwegs ist, dem wird die lockere Siedlungsform auffallen. Auf über 900 ha leben hier 142 Menschen, davon betreiben 13 ein Gewerbe. Zollbrücke, direkt an der Oder gelegen, gehört zu Zäckericker Loose, hier finden die Bewohner und Besucher des Oderbruchs ein Theater, zwei Gaststätten und einen wunderbaren Spazierweg auf dem Deich, der sie z.B. zur nahe gelegenen Brücke von Bienenwerder führt.