Die folgenden Seite sind Auszüge aus der Homepage des Altreetzer Geschichtsvereins.

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Wissenswertes über Altreetz

Wenn man das Oderbruch überfliegt, kann man Altreetz am hell gestrichenen Kirchturm aus dem Jahr 1828 erkennen, der im Jahre 1992 restauriert wurde.

Altreetz feierte im Jahre 1939 das 600jährige Jubiläum seiner ersten Erwähnung mit einem großen Umzug und Hakenkreuzfahnen. Im Jahre 1989 wurde das 650. Jubiläum gefeiert, wieder mit einem großen Umzug, die Fahnen trugen jetzt ,,Hammer und Zirkel im Ährenkranz". Die Geschichte vom slawischen Fischerdorf zum brandenburgischen Bauerndorf wurde dargestellt, eine Geschichte vom stillen Miteinander der Fischerfamilien, die sich rund um den heute noch erkennbaren Dorfplatz drängten, das zweimalige Hochwasser pro Jahr fürchtend und erduldend. Vom ursprünglichen ,,Retcz" in der Urkunde von l339 über "Rece" bis zum Namen "Reetz" gab es verschiedene sprachliche Wandlungen. Der Name ist nicht so sehr selten, denn er bedeutet ,,am Flusse gelegen". Ein Hauptarm der Oder mit Fischereirechten hatte seinen Verlauf zwischen Reetz und Meetz, dem heutigen Mädewitz. Seit der Trockenlegung des Oderbruches und der Anlage von ,,Adlig Reetz" und ,,Königlich Reetz" (heute: Neureetz) im 18. Jahrhundert hieß das Dorf Alt Reetz oder Alt-Reetz, zuerst mit, dann ohne Bindestrich. Heute schreibt man in einem Wort: Altreetz, so wird es wohl (vorerst?) auch bleiben.

Auf dem etwas erhöhten Sandkegel in dem alten Urstromtal der Oder hatten schon lange vor den Slawen Menschen ihr Siedlungsgebiet, Ausgrabungen und Funde beweisen das. Vom Leben dieser Bewohner wissen wir wenig oder gar nichts. Erst seit dem 13. Jahrhundert, als Reetz ein Fischerdorf geworden war, können wir uns das Leben der Bewohner ungefähr vorstellen: Rund um den Platz von etwa 100 Metern Durchmesser, also auf einem Kreisumfang von ca. 300 Metern, standen 27 Gehöfte. Zum Dorfplatz hin hatte jeder Anwohner im Durchschnitt 10 Meter Platz. Eine kleine Lücke blieb für ein Kirchlein, das sich die Reetzer etwa seit der Mitte des 16. Jahrhunderts leisteten. Im Jahre 1577 wird eine Kirche erwähnt, wahrscheinlich ein bescheidenes Holzkirchlein, das im Jahre 1641 abbrannte. Man baute eine neue, die im Jahre 1764 abbrannte, im Jahre 1768 wurde wieder eine neue Kirche geweiht, die dann dem großen Dorfbrand von l824 zum Opferfiel. So ist die heutige Kirche also die vierte. Sie standen immer an derselben Stelle, am Rande des Dorfes, den Eingang zum Dorfplatz gerichtet. In der Mitte des Platzes waren die beiden öffentlichen Brunnen, das Brauhaus stand dort und der Dorfkrug. Die Häuser hatten ihre Giebel zum Dorfplatz gerichtet, hier war der Eingang. Links und rechts vom Gang waren zwei Wohnräume, dann kam eine ,,schwarze Küche", wie man sie noch im Museumsdorf Altranft besichtigen kann. Ställe schlossen sich an, Gärten bis zum Dungwall, der einen Schutz vor dem unberechenbaren Hochwasser im Frühjahr und um Johanni bilden sollte. Im Oderlandmuseum Bad Freienwalde kann man noch einen Fischkessel besichtigen, das wohl wichtigste Inventar einer Fischerfamilie. Nach Abzug des Wassers konnte man Vieh auf die Weiden treiben, auch bescheiden etwas anbauen, zeitweise auch außerhalb des Rundlings wohnen. Für die ,,Freileute" zeigt ein Plan von 1754 14 kleine Häuslein außerhalb des Dorfplatzes, die Familien vergrößerten sich ja auch und der Platz war beschränkt. Sie bildeten eine eigenständige Gemeinde, und es kam auch zu Reibereien, wie man sich denken kann. Von den Namen der Familien, wie wir sie seit Beginn des 18. Jahrhunderts kennen, ist nur noch der Name Grunow geblieben. Die alten Familien Boche und Juhre findet man heute noch auf den Grabtafeln des Friedhofes, den Namen Juhre trugen allein 5 von den 28 Familien. Dr. Gerhard Krüger, er hatte in eine Boche-Familie eingeheiratet, schrieb zur 600-Jahr-Feier eine Chronik von Altreetz. Wir wissen durch ihn also relativ viel von der Geschichte des Ortes. Ausführlich beschreibt er die Probleme, die sich nach der Trockenlegung des Bruches seit 1753 für die Fischer ergaben: das Lebenselement war umgeleitet, jetzt sollten aus den Fischern Bauern werden. Das ging nicht so ohne weiteres. Nach dem Dorfbrand von 1824 war das alte Fischerdorf vernichtet, die Separation fand statt, viele Bauern siedelten sich auf dem nun neu zugewiesenen Land an. So entstanden die ,,Altreetzer Loose", Einzelgehöfte in Richtung Wustrow, Neurüdnitz, Neureetz, Altmädewitz und Altwriezen. Am Dorfplatz richtete man nur noch sechs Gehöfte ein. Die Regelmäßigkeit der Dorfanlage beweist, daß man für den Neuaufbau nach einem Projekt gearbeitet hat. Einige Fachwerkbauten wurden bis in die heutige Zeit gepflegt. Vieles ist zerfallen, vernachlässigt, verbaut, durch Krieg und Hochwasser zerstört.

Das Wenige müßte unbedingt erhalten werden. Unser Verein bemüht sich um die Aufarbeitung der Geschichte seit 1933. Die Erkenntnisse werden uns helfen, der Gemeindevertretung Hinweise für eine Dorfgestaltungskonzeption zu geben. Vielleicht wird es auch möglich, wieder alte Traditionen zu wecken. Der Anfang ist gemacht. Es gibt wieder Vereine, die sich der Kultur widmen, es sei erinnert an den Sportverein und an den Karnevalsverein, um den sich seit vielen Jahren Manfred Müller verdient gemacht hat. Altreetz hat durch seine zentrale Lage gute Voraussetzungen für die kommunale Entwicklung: Altreetz ist Schulstandort, Einkaufszentrum, Zentrum für eine gute medizinische Versorgung, und nicht zuletzt lockt der Schulzoo jährlich viele Besucher an. Die Altreetzer hoffen, daß sich die Bedingungen für eine kulturelle Entwicklung günstig gestalten, und daran wollen wir mitarbeiten.